24 Stunden Apple Watch

https://blogs-images.forbes.com/erikkain/files/2015/04/apple-watch-selling-points.jpg

Die Apple Watch im 24-Stunden-Test
Die Fragestellung beinhaltete, ob sich eine Smartwatch gut in den Alltag integrieren lässt und ob dieses Gadget zweckmäßig und nützlich ist?
Hier ein erster Eindruck…

Kleinere Kinderkrankheiten

Um Zeit zu sparen wurde die Apple Watch bereits am Vortag eingerichtet.
Eine Anleitung war nicht unbedingt notwendig. Die Bedienung der Apple Watch ist gut durchdacht und intuitiv zu erfassen. Das Betriebssystem der Apple Watch OS 1.0 erscheint makellos. Längere Einstellungen sind unnötig. In der Apple Watch App auf dem iPhone lassen sich Kontakte, Benachrichtigungen und andere Grundeinstellungen schnell checken und gegebenenfalls anpassen.

Etwas unklar wird es erst, wenn’s um die Einzelheiten geht. Als am Morgen des Testtages die ersten Nachrichten eintreffen, zeigt sich schnell: Es ist nicht immer offensichtlich, welche App welche Funktionen auf der Watch anbietet – gerade wenn die Anwendungen nicht von Apple selbst stammen.

Es werden z.B. Textnachrichten vom  Messenger WhatsApp zwar auf der Apple Watch angezeigt, lassen sich aber nicht beantworten. Apples iMessages können hingehen gelesen und beantwortet werden. Dies jedoch wiederum nur per vorgegebener Standardantworten oder mittels Spracheingabe. Nicht immer möchte oder kann man in die Uhr sprechen, zum diskreten Schreiben einer Antwort muss das iPhone in die Hand genommen werden, die Watch ist hier nutzlos.

Die Touch-Nachrichten, die als neues großes Feature vorgestellt wurden, Nachrichten die sich Apple-Watch-Nutzer untereinander zukommen lassen können, funktionierten im Test nicht immer wie gewünscht. Der Kontakt, zu dem zu Testzwecken Taps, Scribbles und den Herzschlag übermittelt wurden, konnte diese zwar empfangen. Seine Antworten fanden aber nicht den Weg zurück auf die Apple Watch. Wäre diese diese Funktion nicht zu Testzwecken ausprobiert worden, wüßte der Autor ohnehin nicht, wann und an wen jemals so eine Spielerei verschicken worden sollte. Jüngere Semester mögen ihren Spaß damit haben, doch welcher Jugendliche ist in der Lage sich eine Apple Watch leisten?

Fazit: Die Kinderkrankheiten bei der Touch-Übermittlung fallen nicht besonders ins Gewicht, da sie die normale Nutzung der Smartwatch behindern keineswegs behindern.

Hochwertige Verarbeitung, einige Tücken

Auch kleinere Schriftarten sind mit dem Display überraschend gut lesbar.
Die Verarbeitung ist hochwertig. Die normale Alltagsbelastung der Apple Watch gab nicht das Gefühl, ein sehr anfälliges Technik-Gadget am Arm zu tragen.

Die Apple Watch behindert nicht mehr und nicht weniger als jede andere Armbanduhr. Das Gewicht der 42mm-Variante machte sich auch nicht negativ bemerkbar.

Die Fitness-Auszeichnungen und -Erinnerungen sind eine nette Motivation zur Bewegung. Es wunderte nur, dass die Apple Watch ausgerechnet dann zum Aufstehen ermahnte, als der Autor gerade bei der Hausarbeit durch die ganze Wohnung lief.

Auch funktionierten die gesammelten Bewegungsinformationen nicht im Zusammenspiel mit einer etwas unbekannteren Fitness-App. Namhafte Anbieter wie Runtastic werden hingegen schon supported. Sportlern kann die Apple Watch daher ein Fitness-Armband ersetzen. Gerade die Möglichkeit, Musik auf der Uhr zu laden, sodass man iPhone und iPod  beim nächsten Lauf zuhause lassen kann, ist verlockend.

Das Freisprechen bei Telefonaten funktionierte einwandfrei. Verwirrend nur, dass das iPhone des Autors bereits mit einer Freisprecheinrichtung im Auto via Bluetooth gekoppelt war. Während der nachmittäglichen Fahrt musste er sich  somit für eine von beiden Anrufoptionen entscheiden. Es gelang nicht, mit Siri über die Watch ein Telefonat zu starten und dieses dann über die Lautsprecher des KFZ zu hören. Der Ton kam in diesem Fall nur aus der Apple Watch.

Zudem ist die freihändige Bedienung begrenzt. So simpel es ist, einen Text direkt zu diktieren, statt ihn tippen zu müssen: Wenn dann zum Versenden noch einmal auf die Apple Watch gedrückt werden muss, entspricht das nicht der Vorstellung von freihändig.

Überraschend lange Akkulaufzeit

Nach all den Ankündigungen über die Akkulaufzeit der Apple Watch, die weniger als 20 Stunden betragen sollte, hatte sich der Autor auf das Schlimmste eingestellt. Auch mit der Energiesparfunktion „Gangreserve“ hatte er sich bereits vertraut gemacht. Diese schaltet sämtliche Funktionen außer der eigentlichen Uhrzeitanzeige ab, um die restliche Akkupower noch einmal optimal auszunutzen und den Besitzer nicht mitten in der Nacht völlig ohne “Timeless” dastehen zu lassen.

Dann die Überraschung: Im normalen Alltagsbetrieb ohne spezielle Anforderungen hielt das Wearable mühelos einen ganzen Tag durch. Vielleicht wurden zu wenige Nachrichten gesendet und empfangen, vielleicht war man an einem normalen Tag zu wenig im Netz unterwegs, doch mit der Akkulaufzeit hatte gab es keinerlei Probleme.

Nach ca. 23 Stunden nach der letzten Aufladung zeigte die Akku-Anzeige noch immer rund 30 Prozent verbleibende Energiereserve an.

Wenn jemand unentwegt Nachrichten erhält, andauernd seinen Puls misst und immer wieder Twitter checkt, mag die Batterie schneller schlapp machen. Doch das kennt man auch vom Smartphone: Auf einer langweiligen Zugfahrt, während der man viel im Netz surft oder ein Video nach dem anderen ansieht, macht das beste Gerät natürlich viel schneller schlapp als einfach nur im Standby.

Bei gelegentlichem Empfang von iMessages, dem Lesen einiger E-Mails und Nachrichten sowie Siri-Anfragen in normalem Umfang war bei der Apple Watch jedenfalls nie einen Stromausfall befürchten.

Uhrenträger können die Watch lieb gewinnen

Könnte der Autor das Testgerät einfach behalten, müsste er nicht zweimal darüber nachdenken. Die Apple Watch würde sich in den Alltag als eingefleischter iPhone-Nutzer bestens einfügen. Die Entscheidung die Watch zu kaufen fiele deutlich schwerer. Allzu oft ertappte sich der Autor dabei, doch wieder das iPhone zur Hand zu nehmen, weil bestimmte Funktionen auf dem Minidisplay nicht direkt zur Verfügung standen.

Wie zufrieden man mit der Apple Watch sein kann hängt in großem Maße davon ab,was man von einer Smartwatch erwartet. Versteht man die Apple Watch als modische Uhr mit Zusatzfunktionen, ist sie eine schöne Weiterentwicklung eines bekannten Konzepts. Auch als Fernbedienung des iPhones ist sie wunderbar einsetzbar. Doch der Gewinn an Bequemlichkeit ist hierbei so gering, dass er kaum ins Gewicht fällt. Der Anschaffungspreis wohl schon eher.

Fazit: Es ist eine gute Uhr

Während des Tages mit der Apple Watch musste der Autor immer wieder an einen Eierschalensollbruchstellenverursacher denken. Kennen Sie diesen nicht? Das ist ein Gerät, das das Öffnen gekochter Eier erleichtert. Es sieht gut aus, kostet etwas mehr als nötig und tut das, was es tun soll, recht zuverlässig. Doch alles, was der Eierköpfer kann, lässt sich ohne Probleme auch mit einem wesentlich günstigeren Eierlöffel ausführen. Das Design-Gadget macht Fun, doch die Verbesserungen zur bisherigen Art und Weise sind minimal.

Ähnlich verhält es sich mit der Apple Watch. Die Apple Watch kann nicht mehr, was das aktuelle iPhone nicht auch kann. Dass man das iPhone sowieso besitzen muss, um die Apple Watch überhaupt ordentlich nutzen zu können, lässt ihren Mehrwert noch geringer erscheinen.

Die Apple Watch ist die beste Erweiterung, die sich ein iPhone-Nutzer für sein Smartphone wünschen kann. Wie viel einem dieser Luxus wert ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden.